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Wien an der Seidenstraße - Perspektiven für Wien und Europa

Dr. Hannes Swoboda, Präsident des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche über die Version der Europäischen Seidenstraße, die Herausforderungen und Ziele Chinas, den Konflikt mit Hongkong und im Speziellen über den Zusammenhang Österreichs mit der „Belt and Road“ Initiative Chinas.

Die ursprüngliche Seidenstraße, im Zeitalter der großen Entdeckungen, führte Kamelkarawanen durch Wüsten, Steppen und Hochgebirge. Chinas Initiative zur neue Seidenstraße, die man mit „Ein Gürtel, eine Straße“ übersetzen kann, soll die modernere Version sein – mit neuen Zuglinien, Autobahnen, Öl- und Gaspipelines. Das Ziel: das Land will den Handel zwischen Europa und Asien intensivieren. Aber welche Auswirkungen hat diese Initiative auf Österreich?

Dieser Frage ist Dr. Hannes Swoboda auf den Grund gegangen: „Man muss realistisch sein. Wir sind kein Zentrum wo Japan oder China sich festsetzen will. Die Waren, die kommen sollen, kommen ohne dies. Wir müssen eher auf kleine Bereiche eingehen, werden nicht Hauptakteure einer Eisenbahnroute werden. Die Seidenstraße ist nicht nur eine Straße sondern besteht aus verschiedenen Verbindungen. Diese sind sehr wichtig für China denn China braucht große Absatzmärkte weil sie großes Produktionspotential haben, Wir liegen leider nicht unbedingt am Knotenpunkt weil Österreich kein großer Markt ist aber es gibt andere Überlegungen wie die direkte Anbindung an eine Breitspurbahn die aus Russland kommt und die den Wiener Raum zu einem Umschlagplatz machen kann. Wenn man eine Strecke mit Breitspurbahn bekommen würde hätte das schon einen Effekt. Leider sehe ich durch liberale Politik was Cargo betrifft, keine großen Steigerungs- und Wachstumsraten. Im Bezug auf den Klimawandel wäre es allerdings wichtig mehr auf die Bahn zu setzen. Dafür müssten Kosten der Bahn reduziert werden oder die Straße teurer werden. Das Schiff ist natürlich kostengünstig, dauert aber lang. Die Bahn ist teurer aber du hast die Sachen binnen wenigen Tagen. Hier muss der Fokus liegen.“

Auch zur aktuellen Situation mit Hong Kong und die Auswirkungen auf die Seidenstraße gibt Dr. Hannes Swoboda eine Expertise ab:

„Welche Auswirkungen der Hong Kong Konflikt auf die Finanzmärkte hat rätseln momentan viele. Ich war in Hong Kong noch bevor es zurück an China gegeben wurde. Es war immer eine sehr chinesische Stadt auch wenn britische Doppelstockbusse gefahren sind. Daher bin ich davon ausgegangen, dass der Übergang reibungslos sein wird was auch in den ersten Jahren so war. Kolonien haben meist nicht viel zu sagen und Entscheidungen treffen die anderen. Erst dann hat ein Demokratie-Bewusstsein begonnen. Aber als China begonnen hat zum Beispiel mit dem Auslieferungsgesetz Einfluss zu nehmen, war das zu viel und das System hat nicht mehr funktioniert. Ich bin mir aber nie ganz sicher ob nicht bei diesen ganz radikalen Zerstörungen ein paar Provokateure dabei sind damit China eine Rechtfertigung hat mit dem Militär einzurücken. Das ist aber bisher noch nicht ausreichend geschehen. Bei der aktuellen Situation ist Singapur vielleicht einer der Profiteure.Weil wenn man einen Markt braucht wird sich Singapur aufdrängen. Dann kann es zu finanziellen Konsequenzen bei den Finanzströmen kommen.“

 

Einen noch größeren Einfluss auf die Seidenstraße sieht der Experte durch den USA-Konflikt:

„Momentan ist es eher ruhig um die Seidenstraße weil China aufgrund des Konflikts mit den USA in einer wirtschaftlich schweren Lage ist. Da für Europa die USA nach wie vor wichtig sind und kein neuer Konflikt begonnen werden soll, schlägt man sich hier nicht auf die Seite von China. Russland ist wirtschaftlich nicht stark genug für eine Allianz. China und Russland halte ich nicht für Zielführend, die sind zu unterschiedlich. China hat Dynamik und Industrie und das hat Russland in der Form nicht. China wird sich nicht auf eine Seite schlagen wollen und wird versuchen in der Balance zu bleiben. Trump geht es mehr um die Wiederwahl daher versucht er Konflikte einzugehen, die nicht unbedingt einen Krieg bringen. Er will in die Geschichte eingehen, nicht als der, der neue Kriege eingeht, aber er wird Konflikte eingehen, wo er glaubt dass er sie durch wirtschaftlichen Druck gewinnen kann. China hat einen tollen Wachstumsprozess gehabt aber ist trotzdem wirtschaftlich schwächer als die USA. China ist von vielen Produkten von den USA abhängig. Das Ziel von Trump ist es zu zeigen, dass er sich für die Einfachen Leute einsetzt und er will China wirtschaftlich im pazifischen Raum schwächen.“

Die Handelsbeziehungen zwischen Europa und China sieht Swoboda nicht gänzlich unproblematisch:

„Die Europäer sind nicht glücklich mit allem was China macht. Zum Beispiel die Behandlung von Patenten und Know-how wurden nicht immer auf korrekte Weise eingehalten. China macht die Seidenstraße nicht für Europa sondern für sich. Es gibt regelmäßige Treffen. China hat auch zugesagt, dass in manchen Dingen auch Patentrechte betreffend künftig anders gehandelt werden. Bisher war viel Ungleichgewicht, dass China korrigieren muss. China hat aber eben schon begonnen ein bisschen flexibler zu sein und auf die einzelnen Bedingungen der Länder einzugehen. Bisher hatten sie nur den Vorteil, dass sie schnell finanziert haben. Viele Staaten haben gesagt gehen wir zu China da bekommen wir es schnell und billig aber irgendwann muss es ja zurückgezahlt werden.“

 

Und wie sieht es mit den Handelsbeziehungen und den Plänen der Seidenstraße Afrika betreffend aus?

„Auch in Afrika tut sich da viel. Haupt finanziert immer noch von Europa aber China ist im Vormarsch. Denn China stellt keine Bedingungen was Umwelt oder Menschenrechte betrifft. China hat in Afrika zwei Dinge gemacht: Investitionen in die Infrastruktur und China hat viele Herrscherpaläste gebaut um hineinzukommen. China hat Afrika dabei mit sehr vielen billigen Produkten überschwemmt die teilweise die afrikanische Industrie kaputt machen oder verhindern, dass sie eigene Industrie aufbauen. Das ist ein großes Problem für Afrika, denn sie bräuchten Industrie aber wenn da irgendwelche billigen Produkte alles dominieren wird nie eine eigene Industrie aufgebaut.“

 

Zum Abschluss gab es noch einen kleinen Einblick in Dr. Hannes Swobodas Perspektive für Europa und die Seidenstraße für 2050:

„Afrika, China und Europa könnten in der Zukunft eine gute dreier Konstellation haben. Afrika hat eine sehr dynamische junge Bevölkerung die was machen möchte, leider manche Regime die furchtbar sind. Für China ist das egal aber im Prinzip könnten beide mit Afrika und der jungen Bevölkerung eine eigene Kooperation darstellen. Es gibt riesen Landwirtschaftliche Flächen, die wenn richtig genutzt werden, helfen könnte sich selbst zu ernähren. Ich sehe da eine große Chance, ob die ergriffen wird weiß ich nicht, es gibt vielleicht zu wenig fortschrittlich denkende Politiker. Aber es ist unser Nachbarkontinent von dem auch viele Leute nach Europa drängen, wenn wir Kooperationen entwickeln könnten, können wir profitieren und das könnten wir mit China gemeinsam machen.“

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