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Das war Thinkers Night: Die wandelnde Gesellschaft

Podiumsdiskussion zur Frage über den Umgang mit gesellschaftlichen Ängsten in Zeiten der Digitalisierung

Angst, Wut, Ressentiment – diese negativen Gefühle haben im öffentlichen Diskurs derzeit Konjunktur und werden in politischen Auseinandersetzungen immer relevanter.

Im Oracle Headquarter im DC Tower stellte der Autor Thomas Landgraf sein Buch „Bewegt Euch! Eine Abrechnung mit der Angststarre der Österreicher“ vor. Anschließend gab eine spannende Diskussion mit Katharina Lacina (Philosophin), Christian Windischberger (Neurowissenschaftler), Eva Zeglovits (Geschäftsführerin Ifes Institut), Thomas Landgraf (Autor) und Reinhard Harter (Digitalexperte, Oracle).

If you think you can or if you think you cannot, you´re right.

Henry Ford

Angst, Wut, Ressentiments – diese negativen Gefühle haben im öffentlichen Diskurs derzeit Konjunktur und werden in politischen Auseinandersetzungen immer relevanter. Das konstatierte die Philosophin Katharina Lacina im Rahmen unserer Podiumsdiskussion. Als Ursache sieht sie vor allem den großen technologischen Wandel, mit dem unsere Gesellschaft konfrontiert ist. Bereits im 15. Jahrhundert führte die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern (Stichwort „Gutenberg-Bibel“) zu einer Medienrevolution. Im 19. Jahrhundert kam es u.a. dank des vermehrten Einsatzes der Dampfmaschine und der Nutzung von Elektrizität zur Industriellen Revolution. Nun befinden wir uns inmitten der Digitalen Revolution.

Lösungen gesucht
Die Angst vor einem möglichen Jobverlust aufgrund des digitalen Wandels macht sich auch in der Meinungsforschung bemerkbar: Viele Menschen sind besorgt, mit den neuen technischen Anforderungen nicht mithalten zu können. „Was mich erstaunt ist, dass man die Chancen nicht sieht“, meinte Eva Zeglovits, Geschäftsführerin bei Ifes. Denn neue Technologien bieten auch neue Möglichkeiten. Diese sieht der Digitalexperte Reinhard Harter zum Beispiel darin, dass wir flexibler werden, dass wir uns jederzeit neu erfinden können oder dass es weniger Zugangsbeschränkungen gibt. Der Zugang zur Digitalisierung ist dank Smartphones und Co. bereits weit fortgeschritten. Die Debatte zum Thema ist jedoch zu sehr problemorientiert, urteilte Eva Zeglovits: „Es ist leichter über die möglichen Sorgen als über mögliche Lösungen zu reden.“

Im Fokus der Hirnforschung
Wir befinden uns in einer Situation, für deren Beschreibung der Neurowissenschaftler Christian Windischberger auf ein Tierexperiment verwies: Eine Maus wird mit lauten Schreien erschreckt. Anfangs versucht sie sich noch auf die Situation einzustellen, doch je häufiger sie mit diesen Schreien konfrontiert wird, desto mehr verfällt sie in eine Angststarre. In der Wissenschaft wird das auch als „Modell der erlernten Hilflosigkeit“ bezeichnet, das sich auf unseren Alltag umleiten lässt, beispielsweise wenn wir abwechselnd mit Nachrichten von schlechter Konjunktur und wirtschaftlichem Aufschwung konfrontiert sind. Wobei die negative Variante, also die schlechte Wirtschaftslage, die permanente Bedrohung von etwa Personaleinsparungen oder Firmenkonkursen, immer dominanter wird. „Insofern ist es durchaus nachvollziehbar, dass die Betroffenen das Gefühl bekommen, sie können für ihre Zukunft nichts verändern“, meinte Christian Windischberger. „Je öfter wir Informationen bekommen, die dieses Modell bestätigen, desto mehr wird es gestärkt.“

Raus aus der Blase
Dieses Gefühl der Hilflosigkeit erhält auch durch die Sozialen Medien mehr Gewicht. Zum einen, weil facebook & Co. suggerieren, dass es allen anderen besser ginge, als einem selbst. Zum anderen, weil die dort ausgetragenen Auseinandersetzungen intensiver wirken, als sie es in der Realität vielleicht sind. „Jeder tritt in den Sozialen Medien mit seinem Fansektor an“, so der Autor und Journalist Thomas Landgraf. „Das führt zu einer extremen Verstärkung, alles wird lauter und konfrontativer.“ Wir sind einer Reiz- und Informationsüberflutung ausgesetzt und sind gerade erst dabei zu lernen, diese zu filtern. Umso wichtiger sei auch die Frage der Bildung, ein Thema, das schon seit Jahrzehnten für Diskussionsstoff sorgt. „Jemanden in eine Lage zu versetzen, selbständig zu denken und kritisch Informationen zu reflektieren“, das wünscht sich Christian Windischberger. Denn das ermöglicht es auch, über den eigenen Tellerrand zu blicken, und durch den Vergleich zu erkennen, was im eigenen Umfeld eigentlich gut funktioniert und wo man für die Zukunft ansetzen könnte. Lösungsorientiertes Denken um Zukunftsängsten entgegenzuwirken ist also erwünscht, jedoch keine einfache Aufgabe – darin waren sich alle am Podium einig. Reinhard Harter plädierte dafür, daran zu glauben, dass positive Veränderungen möglich sind und zitierte Henry Ford: „If you think you can or if you think you cannot, you´re right.“

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