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Politiker und Bildungsexperten im 2050 Thinkers-Talk.

Das war die große Bildungsrunde zum Thema Deutschklassen.

Es gibt Themen, da sind kontroverse und hitzige Diskussionen vorprogrammiert. Migration ist so ein Thema. Bildung ist auch so ein Thema. Nun hat man als politisch interessierter Österreicher schon seit geraumer Zeit die Erfahrung gemacht, dass ohnedies kein Thema diskutiert wird, ohne es mit Migration zu verknüpfen. Im Bildungsbereich gar nicht zu Unrecht. Der Umstand führt allerdings zu einer noch intensiveren Diskussion.

Am 12. April fragte der 2050 Thinkers Club „Eigene Deutschklassen – Ghettobildung oder notwendig?“ und lud den Wiener Stadtschulratspräsidenten Heinrich Himmer (SPÖ), den Nationalratsabgeordneten Nico Marchetti (ÖVP), den Bildungssprecher der Neos Wien Christoph Wiederkehr, die Bildungsexpertin Christa Koenne und den Bildungsaktivisten Daniel Landau zur Diskussion.

In zwei Punkten waren sich alle einig: 1. gehe es ums Wohl der Kinder und 2. möchte niemand den polemischen Begriff Ghettoklassen in den Mund nehmen. Oliver Pink, Journalist bei der Presse und Moderator des Abends, tat es als einziger trotzdem, um an die provokante Eingangsfragestellung zu erinnern. Nico Marchetti verteidigte erwartungsgemäß die Pläne der Regierung, Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen in eigenen Deutschklassen zu unterrichten, wurde aber nicht müde zu betonen, dass es sich dabei lediglich um eine zeitlich begrenzte Maßnahme handle. Daniel Landau merkte an, dass ein segregierter Unterricht den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung widerspreche. Bildungsexpertin und ehemalige Chemielehrerin Christa Koenne stellte in Frage, ob es überhaupt valide Forschungsergebnisse in diesem Bereich gäbe (wofür sie heftige Kritik der anwesenden Bildungswissenschaftler einstecken musste). Christoph Wiederkehr erinnerte daran, dass die aktuellen Pläne, derartige Deutschklassen verpflichtend und bundesweit einzuführen eine de facto-Rücknahme der Schulautonomie seien und Heinrich Himmer befürchtete, dass die eigentlichen Adressaten der türkis-blauen Bildungspolitik nicht die Schülerinnen und Schüler seien, sondern die Eltern autochthoner Kinder, die besorgt darüber sind, dass nur zwei von 25 Kindern in einer Klasse Deutsch als Muttersprache haben.

Fazit des Abends (mit einem Bild, das Daniel Landau in die Diskussion eingebracht hat): Die Diagnose ist gestellt, der Diskussionsbedarf über die Therapie geht weit über die Kapazitäten eines lauen Frühlingsabends über den Dächern Wiens hinaus.

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